Abnehmspritzen können beim Abnehmen helfen, wenn dafür eine medizinische Indikation besteht. Sie können aber auch Nebenwirkungen verursachen. Bei Tirzepatid sind das vor allem Übelkeit, Durchfall, Verstopfung und Erbrechen. Die Beschwerden können nach einer Dosiserhöhung stärker werden und im weiteren Verlauf nachlassen. Starke oder anhaltende Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden.
Unter dem Begriff „Abnehmspritze“ werden verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente zusammengefasst. Sie unterscheiden sich in ihrer Anwendung und ihren Risiken. In diesem Artikel geht es um Tirzepatid, den Wirkstoff des Medikaments Mounjaro, und seinen Einsatz zur Gewichtsregulierung. Die Angaben gelten daher nicht ohne Weiteres für andere Präparate.
Welche Nebenwirkungen kann eine Abnehmspritze haben?
Magen-Darm-Beschwerden
Tirzepatid kann Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchbeschwerden und Verdauungsstörungen auslösen. Achten Sie besonders zu Beginn darauf, wie stark die Beschwerden sind, ob sie abklingen und ob Sie weiterhin ausreichend essen und trinken können.
Laut der aktuellen EU-Produktinformation treten Übelkeit, Erbrechen und Durchfall während der schrittweisen Dosiserhöhung häufiger auf und nehmen im weiteren Verlauf meist ab. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie anhaltendes Erbrechen oder deutliche Schmerzen hinnehmen sollten. Informieren Sie Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren Arzt über belastende Beschwerden, bevor die Dosis weiter erhöht wird.
Kleinere, ausgewogene Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit können helfen, Magen-Darm-Beschwerden zu lindern. Was für Sie sinnvoll ist, hängt auch von Ihrer Gesundheit ab. Wenn Sie wegen einer anderen Erkrankung nur begrenzt trinken dürfen, klären Sie die passende Trinkmenge mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Weitere mögliche Nebenwirkungen
Auch Reaktionen an der Einstichstelle, Müdigkeit und Schwindel sind möglich. Zu den bekannten Risiken gehören zudem Gallensteine und eine Entzündung der Gallenblase. Die Packungsbeilage nennt weitere mögliche Nebenwirkungen. Sprechen Sie deshalb auch neue Beschwerden an, die hier nicht aufgeführt sind.
Das Risiko einer Unterzuckerung steigt vor allem dann, wenn Tirzepatid zusammen mit Insulin oder einem Medikament aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe angewendet wird. In diesem Fall kann eine ärztliche Anpassung der Diabetesbehandlung nötig sein. Ändern Sie die Dosierung Ihrer Medikamente nicht eigenständig.
Bei welchen Beschwerden ist medizinische Hilfe nötig?
Auch eine bekannte Nebenwirkung kann eine Behandlung erfordern. Wie dringend Sie ärztliche Hilfe brauchen, hängt vor allem davon ab, wie stark die Beschwerden sind und wie sehr sie Ihren Körper belasten.
- Starke, anhaltende Bauchschmerzen, insbesondere mit Ausstrahlung in den Rücken: Suchen Sie sofort medizinische Hilfe. Dahinter kann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung stecken. Bei Verdacht darauf muss Tirzepatid abgesetzt werden. Teilen Sie bei der Untersuchung mit, wann Sie die letzte Dosis angewendet haben, und richten Sie sich vor einer weiteren Anwendung nach der ärztlichen Anweisung.
- Wiederholtes Erbrechen oder Probleme, Flüssigkeit bei sich zu behalten: Holen Sie zeitnah ärztlichen Rat ein. Ein Flüssigkeitsmangel kann die Nierenfunktion beeinträchtigen.
- Anzeichen einer Unterzuckerung: Befolgen Sie den mit Ihrem Diabetesteam vereinbarten Plan. Bei schweren oder nicht abklingenden Beschwerden benötigen Sie umgehend medizinische Hilfe.
- Atemnot, Schwellungen an Lippen, Zunge oder Hals oder ein Kreislaufzusammenbruch: Rufen Sie den Rettungsdienst. In Deutschland erreichen Sie ihn unter 112.
Warten Sie bei schweren Beschwerden nicht auf den nächsten Kontrolltermin. Nennen Sie bei der ärztlichen Abklärung das Medikament, Ihre aktuelle Dosis und den Zeitpunkt der letzten Injektion.
Wie wirken Abnehmspritzen?
Tirzepatid aktiviert die Rezeptoren der Hormone GIP und GLP-1. Diese Hormone sind an der Steuerung von Appetit und Blutzucker beteiligt. Der Wirkstoff kann den Appetit und damit die Nahrungsaufnahme verringern; außerdem verlangsamt er die Magenentleerung. Das Medikament wird einmal pro Woche unter die Haut gespritzt.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur beschreibt den Einsatz zur Gewichtsregulierung ergänzend zu einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr körperlicher Bewegung. Tirzepatid löst kein Fett gezielt an einer einzelnen Körperstelle auf. Es ist deshalb nicht mit einer Injektionslipolyse zur örtlichen Körperkonturierung gleichzusetzen.
Die Dosis wird nach einem ärztlich festgelegten Schema angepasst. Entscheidend sind dabei das Behandlungsziel und die Verträglichkeit. Erhöhen Sie die Dosis nicht auf eigene Faust, um schneller abzunehmen. Stärkere Nebenwirkungen bedeuten nicht, dass das Medikament besser wirkt.
Für wen kommt die Behandlung infrage?
Die EU-Zulassung zur Gewichtsregulierung umfasst Erwachsene, bei denen zu Behandlungsbeginn eine der folgenden Voraussetzungen vorliegt:
- Adipositas mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 kg/m².
- Übergewicht mit einem BMI von mindestens 27 und unter 30 kg/m² sowie mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung, etwa Bluthochdruck, obstruktiver Schlafapnoe oder Typ-2-Diabetes.
Ein entsprechender BMI allein reicht nicht aus, um über die Behandlung zu entscheiden. Auch Ihre Krankengeschichte, aktuelle Medikamente, mögliche Risiken und die notwendige ärztliche Begleitung müssen berücksichtigt werden. Der Wunsch, vor einem bestimmten Anlass einige Kilogramm abzunehmen, ist für sich genommen kein medizinischer Grund für eine Verordnung.
Was sollten Sie vor Behandlungsbeginn besprechen?
Bringen Sie zum Vorgespräch eine vollständige Liste Ihrer Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel mit. Berichten Sie auch über frühere Behandlungen zur Gewichtsreduktion. Besonders wichtig sind folgende Angaben:
- Frühere Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Gallenblasenprobleme, Nierenerkrankungen oder starke Magen-Darm-Beschwerden.
- Gastroparese, also eine krankhaft verzögerte Magenentleerung.
- Die aktuelle Diabetesbehandlung, frühere Unterzuckerungen oder eine diabetische Augenerkrankung.
- Schwangerschaft, Kinderwunsch oder Stillzeit.
- Geplante Operationen oder Eingriffe unter Vollnarkose oder tiefer Sedierung.
Während der Schwangerschaft soll Tirzepatid nicht angewendet werden. Laut EU-Produktinformation muss es mindestens einen Monat vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden. Stimmen Sie das Vorgehen mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Klären Sie die Verhütung vor Behandlungsbeginn und melden Sie sich umgehend, wenn Sie schwanger werden. In der Stillzeit muss individuell entschieden werden, ob die Behandlung infrage kommt. Dabei ist auch eine ausreichende Ernährung der Mutter zu berücksichtigen.
Informieren Sie das Anästhesieteam vor einem geplanten Eingriff über die Behandlung mit Tirzepatid. Weil sich der Magen langsamer entleert, kann das Risiko steigen, dass Mageninhalt in die Atemwege gelangt. Ob und wie lange Sie die Behandlung unterbrechen sollen, entscheiden die beteiligten Ärztinnen und Ärzte. Legen Sie eine solche Pause nicht selbst fest.
Wie viel Gewichtsverlust ist möglich?
Studien zeigen, wie viel Gewicht bestimmte Teilnehmergruppen unter festgelegten Bedingungen verloren haben. Daraus lässt sich jedoch nicht verlässlich ableiten, wie viel eine einzelne Person abnehmen wird.
In der Studie SURMOUNT-1 wurden 2.539 Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht und einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung über 72 Wochen untersucht. Die Teilnehmenden hatten keinen Diabetes. In den Tirzepatid-Gruppen lag die durchschnittliche Gewichtsabnahme je nach Dosis bei etwa 15 bis 21 Prozent, gegenüber rund 3 Prozent unter Placebo. Alle Teilnehmenden erhielten zusätzlich Unterstützung bei der Anpassung ihres Lebensstils. Die Studie wurde von Eli Lilly finanziert.
Die Prozentangaben beschreiben Durchschnittswerte nach 72 Wochen. Sie sind weder kurzfristige Zielvorgaben noch eine Zusage für Ihr persönliches Ergebnis. Wie sich Ihr Gewicht entwickelt, hängt auch davon ab, wie Sie auf die Behandlung ansprechen, wie gut Sie sie vertragen und ob Sie sie fortsetzen können. Ein früh nachlassender Appetit sagt noch wenig über den langfristigen Gewichtsverlust aus.
Warum Ernährung, Muskelkraft und Kontrollen wichtig bleiben
Die Zahl auf der Waage zeigt nicht, ob der Körper Fett, Muskulatur oder andere Bestandteile verliert. Eine Teilstudie von SURMOUNT-1 zur Körperzusammensetzung ergab, dass sowohl die Fettmasse als auch die fettfreie Masse abnahm. Zur fettfreien Masse zählen allerdings auch Wasser, Organe und Knochen. Ihre Abnahme lässt sich deshalb nicht mit reinem Muskelverlust gleichsetzen.
Bei den Kontrollterminen sollte es neben dem Gewicht auch um Ihre Ernährung und körperliche Leistungsfähigkeit gehen. Besprechen Sie, wie Sie ausreichend Eiweiß aufnehmen und sich Ihrer Gesundheit und Belastbarkeit entsprechend bewegen können. Dazu kann auch Krafttraining gehören. Entscheidend ist, dass die Behandlung Ihre Gesundheit insgesamt unterstützt.
Sprechen Sie bei den Kontrollen an, ob Sie ausreichend essen und trinken können, wie Sie im Alltag zurechtkommen und ob Nebenwirkungen Sie einschränken. Zusammen mit dem Gewichtsverlauf und den relevanten Untersuchungswerten ergibt sich so ein aussagekräftigeres Bild des Behandlungserfolgs.
Was passiert nach dem Absetzen?
Nach dem Absetzen kann das Gewicht wieder steigen. In SURMOUNT-4 erhielten die Teilnehmenden zunächst Tirzepatid. Bei denjenigen, die anschließend auf Placebo umgestellt wurden, stieg das Gewicht im Durchschnitt deutlich an. Wer Tirzepatid weiter anwendete, konnte den erreichten Gewichtsverlust besser halten oder weiter abnehmen.
Besprechen Sie deshalb schon zu Beginn, wie Sie das erreichte Gewicht langfristig halten können. Nicht jeder Mensch benötigt auf Dauer dieselbe Behandlung. Es sollte aber geklärt sein, wie es weitergeht, wenn das Medikament nicht mehr geeignet ist, schlecht vertragen wird oder zu teuer wird. Ernährung, Bewegung und ärztliche Kontrollen bleiben auch dann Teil der weiteren Betreuung.
Was zu einer ärztlich begleiteten Gewichtsreduktion gehört
Eine medizinische Gewichtsreduktion beginnt mit einer ärztlichen Untersuchung. Je nach Befund können Medikamente, Empfehlungen zu Ernährung und Bewegung sowie regelmäßige Kontrollen Teil der Behandlung sein. Ein Tirzepatid-Programm sollte auch eine Einweisung in die Injektion und Hinweise zum Umgang mit häufigen Beschwerden umfassen. Änderungen der Dosis erfolgen nach ärztlicher Vorgabe.
Klären Sie vor Beginn, welche Kosten auf Sie zukommen und was das Programm umfasst. Fragen Sie insbesondere nach dem Medikament, Laboruntersuchungen, Kontrollterminen und der Beratung bei Nebenwirkungen. Ein angegebener Programmpreis muss nicht sämtliche Leistungen abdecken.
Häufige Fragen zu Abnehmspritzen
Treten bei allen Menschen Nebenwirkungen auf?
Nein. Die Verträglichkeit ist individuell unterschiedlich. Wenige oder keine Beschwerden bedeuten nicht, dass das Medikament unwirksam ist. Umgekehrt sind starke Beschwerden kein Beleg für einen guten Behandlungserfolg.
Darf ich die Dosis erhöhen, wenn mein Gewicht stagniert?
Erhöhen Sie die Dosis nicht eigenständig. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, seit wann das Gewicht unverändert ist und wie die Behandlung bisher verläuft. Wichtig sind unter anderem Appetit, Ernährung, Bewegung, Nebenwirkungen und die Dauer der bisherigen Dosierung. Ein vorübergehender Gewichtsstillstand allein rechtfertigt keine höhere Dosis.
Was tun bei Übelkeit nach einer Dosiserhöhung?
Melden Sie sich in der behandelnden Praxis, wenn die Übelkeit belastend ist, anhält oder Sie deshalb nicht ausreichend essen und trinken können. Geben Sie an, wann die Dosis geändert wurde und ob Sie erbrechen müssen. Wenn Sie keine Flüssigkeit bei sich behalten können, brauchen Sie zeitnah medizinische Hilfe. Bei starken, anhaltenden Bauchschmerzen ist sofortige Abklärung erforderlich.
Ersetzt eine Abnehmspritze eine angepasste Ernährung und Bewegung?
Nein. Die medikamentöse Behandlung ergänzt Ernährung, Bewegung und regelmäßige ärztliche Kontrollen. Im Beratungsgespräch lässt sich klären, ob eine Verordnung für Sie infrage kommt, welche Begleitung sinnvoll ist und mit welchen laufenden Kosten Sie rechnen müssen.
